Deep Purple [1] ist eine im April 1968 gegrĂŒndete englische Rockband, die mit ihrem vom Klang der Hammond-Orgel, von markanten Gitarrenriffs und -soli, sowie einer soliden Rhythmusarbeit geprĂ€gten Stil zu den ersten und einflussreichsten Vertretern des Hard Rock zĂ€hlt.
[In Beat Instrumental im November 1970: âDeep Purple, since their formation from the debris of the Artwoods, Lord Sutch and others have become increasingly recognized as one of the most progressive and forceful of all British hard-rock bands.â] Zu ihren bekanntesten Songs zĂ€hlen
Smoke on the Water,
Black Night,
Woman from Tokyo,
Child in Time,
Highway Star und
Hush. Insgesamt verkaufte sie weltweit ĂŒber 100 Millionen Alben.
[ ilikemusic over 100 million albums]
Bandgeschichte
Die Bandgeschichte war von hĂ€ufigem Personalwechsel geprĂ€gt, so dass sie in den bisher dreiĂig aktiven Jahren zumeist nur wenige Jahre aus denselben Mitgliedern bestand. Die verschiedenen Besetzungen werden hĂ€ufig mit der vorangestellten englischen Bezeichnung âMarkâ (Mk) durchnummeriert.
GrĂŒndung und erste Erfolge
Deep Purple entstand, nachdem die Londoner GeschĂ€ftsleute Tony Edwards und John Coletta 1967 beschlossen, in eine Rockband zu investieren, und Jon Lord mit der GrĂŒndung einer Rock-Gruppe beauftragten. Aus der Band
Roundabout, welche sich damals aus Ritchie Blackmore, Jon Lord von den
Flowerpot Men, Chris Curtis (Gesang, ex-
Searchers-Schlagzeuger), Dave Curtiss (Bass) und Bobby Woodman (Schlagzeug) zusammensetzte, bildete sich im April 1968, nach dem Ausscheiden von Curtis, Woodman und Curtiss,
Deep Purple. Die Besetzung war vorher durch Rod Evans (Gesang), Ian Paice (Schlagzeug) (beide ex-
The Maze) sowie Nick Simper (Bass) vervollstÀndigt worden.
[Siehe auch CD-Booklet von "Shades Of Deep Purple - The Deep Purple Remastered Collection" (2000) mit der GrĂŒndungsgeschichte von Simon Robinson verfasst.]Auf den neuen Namen
Deep Purple kam die Band nach einer kurzen Tour durch Skandinavien. Der Name lĂ€sst sich zwar aus dem Englischen als âtiefes Purpurâ ĂŒbersetzen und gilt dort als Slangbegriff fĂŒr LSD,
[http://www.tk-online.de/centaurus/generator/tk-online.de/dossiers/sucht/08__lsd/02__lsd/lsd__nav.html] tatsÀchlich bezieht sich der Name jedoch auf den Song
When the Deep Purple Falls von Peter DeRose.
Die Band spielte in der Mark-I-Besetzung drei Alben ein.
Das DebĂŒtalbum
Shades of Deep Purple aus dem Jahr 1968 zeigte eine Mischung verschiedener musikalischer AnsĂ€tze, die mit der âtypischen Deep-Purple-Musikâ der 1970er Jahre noch wenig Verwandtschaft zeigt. Das Album selbst wurde innerhalb von nur drei Tagen aufgenommen. Der noch an der Popmusik der Beatles orientierte Sound war in seiner âHĂ€rteâ fĂŒr die damalige Zeit teilweise ungewöhnlich. Er wird daher von Kritikern als Grundlage fĂŒr die Entwicklung des Hard Rocks und spĂ€teren Heavy Metals angesehen.
[http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:qmfozffheh4k]Das Album enthÀlt neben eigenen Songs auch einige Coverversionen, unter anderem
Help! von den Beatles, Jimi Hendrix'
Hey Joe und das von Joe South geschriebene
Hush. Mit Letzterem hatte die Band ihren Durchbruch in den USA, wo die Single Platz 4 der Charts erreichte. Am 6. Juli trat die Band im Vorprogramm der Byrds erstmalig auf britischem Boden auf.
Noch im gleichen Jahr wurde das zweite Album
The Book of Taliesyn veröffentlicht, das teilweise auch Merkmale des Progressive Rock, sowie die spÀter oft verwendeten klassischen Zitate aufweist (hier in einer Kurzversion von Beethovens zweitem Satz seiner siebten Sinfonie in
Exposition). Ein Beispiel fĂŒr die Verwendung klassischer Instrumente und Formen ist der Mittelteil von
Anthem, in dem ein vierstimmiges Fugato der Streicher erklingt. Kritiker wie die Zeitschrift
Disc & Music Echo lobten, obwohl sie auf dem
âleicht enttĂ€uschenden Albumâ den wirklichen âKickâ vermissten, den
âSinn der Band fĂŒr Dynamik, sowie die Verbindung instrumentaler Passagen mit bekannten Themenâ [âEach track is well thought and well played but there is no real excitement there. [2] Perhaps the best thing about the group is their sense of dynamics and their ability to lead into familiar themes with unfamiliar and beautifully constructed instrumentals. This is demonstrated in âRiver Deep-Mountain Highâ which closes this slightly disappointing album.â auf www.deep-purple.net]. Nach der Veröffentlichung tourte Deep Purple als Vorgruppe von Cream, und danach auf âeigene Faustâ, durch die USA.
thumb|center|550px|Die ersten beiden StimmeinsĂ€tze des Fugatos aus dem Titel âAnthemâ
Das dritte, schlicht
Deep Purple betitelte Album erschien 1969. Manche Songs, wie das zwölfminĂŒtige
April, das eine Dreiteilung (Band â Orchester â Band) aufweist, verweisen wieder auf klassische Modelle und Ăsthetik. Der Titel war einer der ersten der bald darauf beliebten âRocksuitenâ von Progressive-Rock-Bands wie The Nice, Emerson, Lake and Palmer oder Genesis.
[Aus der Berliner Zeitung vom 3. April 2004:âDer Organist John Lord musste irgendwie seinen sinfonischen Druck loswerden und verschrieb der bis dahin unauffĂ€lligen Band eine so genannte Rocksuite, die noch viele und vor allem viel furchtbarere Rocksuiten unbefugter Epigonen nach sich zog. So gesehen ist dieses âAprilâ, mit dem die Mesalliance zwischen Rockinstrumenten und Orchester begann, die Sternstunde des kĂŒnstlerischen Niedergangs eines kompletten Genres; verhĂ€ngnisvoll fĂŒr die primitive Rockmusik aber in seiner AnmaĂung auch wundervoller Kitsch.â auf www.berlinonline.de]
Erste Wechsel und wachsende PopularitÀt
Mitte 1969 wurden Evans und Simper durch den SĂ€nger Ian Gillan und den Bassisten Roger Glover ersetzt. Die beiden hatten zuvor schon mehrere Jahre lang in der Band Episode Six zusammen gespielt. Mit der Verpflichtung dieser Musiker entstand die
Mk-II-Besetzung.
ZunĂ€chst standen primĂ€r Lord und seine Musikvorstellungen im Rampenlicht. Der klassisch ausgebildete Musiker hatte ein Werk fĂŒr Rockband und Orchester geschrieben,
Concerto for Group and Orchestra, das gemeinsam mit dem âRoyal Philharmonic Orchestraâ in der Royal Albert Hall unter der Leitung von Malcolm Arnold uraufgefĂŒhrt wurde. Es war einer der ersten Versuche, klassische und Rockmusik zu kombinieren. Obwohl das Projekt vom Publikum und Teilen der Kritiker wohlwollend aufgenommen wurde, waren einige Bandmitglieder, vor allem Blackmore, damit nicht zufrieden. Unter anderem aufgrund der Angst vor einem Imageverlust der Band wurde beschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen.
[http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=631&content=review]thumb|center|550px|Dialog zwischen Orgel und Gitarre im Titel
Speed King Das 1970 veröffentlichte Album
Deep Purple in Rock kann als ein Wendepunkt in der Geschichte der Band gesehen werden. Es war das erste auch in Europa erfolgreiche Album. In GroĂbritannien erreichte es Chartposition vier und verbrachte in Deutschland gar zwölf Wochen auf Platz eins. Das Werk vereint die fĂŒr die Folgezeit typischen musikalischen Merkmale: Markante Hard-Rock-Riffs Blackmores, Lords klassische Kadenzen und Figuren, Gillans ekstatischen Gesang, sowie die in Titeln wie
Speed King,
Living Wreck und anderen Songs besonders live offen ausgetragene Konkurrenz zwischen Lords Orgel und Blackmores Gitarre
[Jon Lord: âWell, Ritchie is at least a very big friend of classical music. But on stage he knows how to hide this side of his personality. On stage the slogan is always: Whose fire is burning better this evening, his or mine?â auf www.thehighwaystar.com]. Diese Konkurrenz ist allerdings, hĂ€ufig in der Form eines Call-and-Response (wie im Notenbeispiel zu
Speed King), musikalisch durchaus fruchtbar. Die harten Rockriffs von Blackmore haben sich nun definitiv durchgesetzt. Die klassischen Elemente erscheinen zunehmend als notfalls auch verzichtbare Zutat einer primÀr Hard-Rock-orientierten Musik. Auf der sicheren Basis von Paice und Glover entwickelte sich der Stil zu einer sehr rhythmusbetonten, geradlinigen Musik weiter.
thumb|center|500px| Bekannter Riff aus
Smoke on the Water (mögliche Griffe in
[3]]
Dieses Album bedeutete den endgĂŒltigen Durchbruch der Band und fokussierte internationale Aufmerksamkeit. 1971 grĂŒndeten die Musiker ihr eigenes Platten-Label
Purple Records. Auch das im Vergleich zum VorgÀnger experimentellere Album
Fireball und besonders
Machine Head mit den heute noch live gespielten Titeln
Highway Star und
Smoke on the Water, die immer mehr von Blackmores Gitarrenspiel beeinflusst wurden, steigerten die PopularitÀt der Band. Neben
Deep Purple In Rock zÀhlen diese zu den bedeutendsten Deep-Purple-Alben.
[http://www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=10:1s120r8ac48z] Machine Head enthÀlt auch den wohl bekanntesten aller von Deep Purple geschriebenen Songs,
Smoke on the Water. Die Singleauskoppelung zu diesem Lied ist bis heute eine der meistverkauften der Bandgeschichte und zĂ€hlt zu den bekanntesten Rocksongs ĂŒberhaupt. Auf dem Live-Album
Made in Japan stellte die Band Spielfreude und Improvisationsvermögen in gegenĂŒber den Studiotiteln teilweise doppelt so langen Versionen eindrucksvoll unter Beweis.
Da die Band sehr hÀufig auf Tournee war, kam es zu Spannungen und Konflikten zwischen den Musikern. Zu den Aufnahmen von
Who Do We Think We Are im Jahr 1973 gingen die Bandmitglieder getrennt ins Studio. ZunĂ€chst hieĂ es, man wolle die Band komplett auflösen, spĂ€ter wurden nur Gillan und Glover, vermutlich vor allem wegen der Differenzen mit Blackmore, ausgetauscht. Das Album hatte erstmals rĂŒcklĂ€ufige Verkaufszahlen und wurde von Kritikern weniger positiv als seine VorgĂ€nger bewertet.
Umbesetzung und Ausstieg Blackmores
Nachdem die Verpflichtung des Bad-Company-SĂ€ngers Paul Rodgers scheiterte
[ Chris Charlesworth im Melody Maker am 14. Juli 1973 auf www.rocksbackpages.com: ââPaul Rodgers was asked to join us, but there were just too many things in the way. Apart from just the contractual side of it, he told us he would be letting down too many people that he respects and admires.â Ian Paice told me last week, putting an end to the speculation that Rodgers would be Ian Gillan's replacement in the next version of Deep Purple.â], verpflichtete die Band den damals unbekannten David Coverdale. Als Bassist schloss sich der vormals bei der Band Trapeze aktive Glenn Hughes an, der Coverdale vor allem in den hohen Stimmlagen auch gesanglich unterstĂŒtzte. Die folgenden Aufnahmen fĂŒr
Burn und
Stormbringer waren Blues- und Soul-orientierter als ihre VorgĂ€nger. Es folgten die ĂŒblichen Promotion-Tourneen fĂŒr die beiden Platten.Bekannt ist ihr Auftritt beim
California Jam am 6. April 1974, dem gröĂten Deep-Purple-Konzert mit etwa 200.000 verkauften Karten, bei dem die Band gemeinsam mit Emerson, Lake and Palmer und Black Sabbath auftrat. Am Ende der Show zerstörte Ritchie Blackmore mehrere seiner Gitarren, demolierte eine Fernsehkamera und lieĂ seine Monitorboxen mit Benzin abbrennen.
1975 verlieĂ Blackmore nach einigen Querelen die Band, um seine eigene Band Rainbow zu grĂŒnden.
Krise und Auflösung
Der Rest der Gruppe tat sich schwer, einen geeigneten Ersatz fĂŒr Blackmore zu finden, da dieser als GrĂŒndungsmitglied den Bandstil weitgehend geprĂ€gt hatte. SchlieĂlich konnte man sich auf den von Coverdale vorgeschlagenen US-amerikanischen Fusion-Gitarristen Tommy Bolin einigen. Dieser hatte zuvor bereits unter anderem bei der James Gang und auf Billy Cobhams Album
Spectrum mitgewirkt. Bolins ErneuerungsbemĂŒhungen waren nicht von Erfolg gekrönt: Das speziell in Hughesâ Bassspiel
[Ian Paice vergleicht den Stil von Glover und Hughes: âIâm thinking about when Roger (Glover) left and was replaced by Glenn Hughes who was a totally different type of bassist. Yes, well that's another matter. Glenn was a sort of funk/soul bass player and as a drummer that can leave you a lot less room.â auf www.drummerworld.com] und Bolins Rhythmusgitarre verstĂ€rkt auf Soul- und Funkelemente setzende Album
Come Taste the Band erwies sich, gemessen an den Verkaufszahlen der vorherigen Alben, als kommerzieller Flop. Kritiker wie die Zeitschrift Sounds bezeichneten es als
âĂŒblen Verschnittâ. Im Booklet des 1995 neu veröffentlichten Albums
Malice in Wonderland von Paice Ashton Lord wird Ian Paice' ErklÀrung zur Besetzung mit Bolin zitiert, in der er zwar die Zusammenarbeit mit diesem lobt, aber auch auf dessen HeroinabhÀngigkeit hinweist.
[âWe got Tommy Bolin in on guitar and it was a good band, but Tommy turned out to be a heroin addict. The band shouldn't have been called Deep Purple, because there was only Jon and I left. We made one good album but it became impossible to play because they wouldn't go on stage unless someone âscoredâ for them. They held us to ranson, so that's when we stopped.â] thumb|500px|Funky Rhythmusgitarre aus
Getting Tighter (mögliche Griffe in
()]
Schwere Drogenprobleme von Hughes und Bolin, aber auch unterschiedliche musikalische Vorstellungen der Mitglieder zerstörten den Zusammenhalt der Band. Coverdale, Lord und Paice lösten daher im MÀrz 1976, nach einem letzten Konzert in Liverpool, die Band auf.
Ein tragisches Ende fand der Gitarrist Tommy Bolin. Nur wenige Monate nach der Auflösung starb er nach einem SchwĂ€cheanfall am 4. Dezember 1976 im Alter von 25 Jahren. Noch am Abend zuvor hatte er ein Konzert im Vorprogramm von Jeff Beck gegeben. Als Todesursache wurde eine Ăberdosis Heroin in Verbindung mit Alkohol angegeben.
In den folgenden Jahren widmeten sich die KĂŒnstler besonders Soloprojekten. Blackmore konnte mit Rainbow groĂe Erfolge erzielen. Roger Glover arbeitete als Produzent, unter anderem fĂŒr namhafte Bands wie Judas Priest, Nazareth und Elf. SpĂ€ter veröffentlichte er zwei Soloalben, bevor er sich 1978 ebenfalls Rainbow anschloss. Lord und Paice waren gefragte Live- und Studiomusiker (Gary Moore, Whitesnake, Cozy Powell, Pete York).
1980 versuchte der ehemalige SĂ€nger Rod Evans mit einigen unbekannten Musikern unter dem Namen Deep Purple die Band fortzufĂŒhren. Da das Projekt auf harsche Kritik und breite Ablehnung der Fans stieĂ, scheiterte das Projekt. Weil er nicht die Namensrechte hatte, verklagte Warner Bros. die Band, so dass sie sich auflösen musste.
[http://www.thehighwaystar.com/specials/bogus/]Coverdale grĂŒndete Whitesnake, wo sich 1978 auch Lord und wenig spĂ€ter Ian Paice einfanden. Gillan baute zunĂ€chst die
Ian Gillan Band auf und schloss sich 1983 kurzzeitig Black Sabbath an.
Comeback und AnknĂŒpfen an alte Erfolge
thumb|Deep Purple bei einem Auftritt in
2003]Im Jahr 1984, acht Jahre nach der Auflösung, unternahm der britische Plattenkonzern PolyGram erhebliche Anstrengungen, um Deep Purple in der Mk-II-Besetzung wieder ins Leben zu rufen. Einem GerĂŒcht zufolge sollen jedem Musiker zwei Millionen Dollar angeboten worden sein.
[http://www.musicline.de/de/artist_bio/Deep+Purple] Da der Erfolg von Rainbow schwand, Lord und Paice mit der Ausrichtung von Whitesnake nicht mehr zurechtkamen und Gillan bei Black Sabbath âden Hut nehmen mussteâ, raufte sich die Band zusammen, um
Perfect Strangers, ein ĂŒberraschend frisches Album, aufzunehmen. Das Album enthielt mit prĂ€gnanten Riffs (
Knocking at Your Back Door), schnellen instrumentalen Duellen von Blackmore und Lord (
A Gypsyâs Kiss), die bewĂ€hrten âDeep-Purple-Zutatenâ in leicht modernisiertem Sound, und verkaufte sich gut, ebenso wie die nachfolgende Tournee, bei der die Band im englischen Knebworth gemeinsam mit den Scorpions, Meat Loaf und UFO vor etwa 80.000 Fans spielte. Der Musikexpress konstatierte, dass die Band
âauch musikalisch an alte GroĂtaten anknĂŒpfeâ, und die neue Neue ZĂŒrcher Zeitung lobte die
âpublikumswirksame BĂŒhnenshowâ, wĂ€hrend der Stern eher eine
âlaue Altherrenriegeâ am Werke sah
[ Kritiken auf www.songtext.net].
1987 wurde das Album
The House of Blue Light eingespielt, auf dem die Band wieder musikalisch risikofreudiger (z. B. auf
Strange Ways) sein wollte,
[Zudem hatte er (Anm.: Glover) âdie radikalste VerĂ€nderung in der musikalischen Entwicklung der Band" in Aussicht gestellt, um der Gefahr der selbstgewĂ€hlten musikalischen Isolation zu wehren: âIch vertrat die Auffassung, daĂ wir, wenn wir uns selbst als progressive Band betrachten, das nicht nur dem Namen nach tun sollten.ââ JĂŒrgen Roth, Michael Sailer: Deep Purple. Die Geschichte einer Band. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-251-9, Seite 347]. Blackmore benutzt hier zum ersten Mal Gitarrensynthesizer, und Paice setzt elektronisches Schlagzeug (
Unwritten Law) ein. Im Jahr darauf erschienen das Live-Album
Nobodyâs Perfect und eine neue Version des ersten Hits
Hush. 1989 wurde Ian Gillan erneut entlassen, weil er mit Blackmore in Streit ĂŒber die musikalische Ausrichtung geraten war. Nach seiner zweiten Trennung von der Band erklĂ€rte er selbst, dass er zukĂŒnftig nicht noch einmal bei Deep Purple mitwirken wolle:
- âIch kann an Deep Purple nur noch wie an eine Verflossene denken. Wir heirateten 69 und wurden 73 geschieden. 84 heirateten wir noch mal und lieĂen uns 89 wieder scheiden. Das mach ich nicht noch mal.â
FĂŒr ihn wurde auf Initiative Blackmores hin der frĂŒhere Rainbow- und Yngwie-Malmsteen-SĂ€nger Joe Lynn Turner verpflichtet. Damit bestand die Band mehrheitlich (Glover, Blackmore, Turner) aus der letzten festen Rainbow-Besetzung. Es entstand das Album
Slaves and Masters, von dem klanglich deutliche Parallelen zu den spĂ€ten Rainbow gezogen werden können. Allerdings wurde der neue SĂ€nger von den Fans nicht akzeptiert, was einer der GrĂŒnde dafĂŒr war, dass Turner die Band nach nur einem Album und einer Tour wieder verlassen musste.thumb|Ian Paice bei einem Live-Auftritt 2005
Gegen den Widerstand Blackmores wurde Gillan auf Betreiben von Lord, Paice und Glover wieder in die Band geholt, obwohl er sich vorher dagegen ausgesprochen hatte. Damit war es möglich, das folgende Album
The Battle Rages On, auf dem sich unter anderem die bekannten Songs
Anya und
Solitaire finden, erneut in Mk-II-Besetzung einzuspielen. Die Differenzen innerhalb der Band bestanden jedoch weiterhin: Im Anschluss an eine Europa-Tournee zum Album verlieĂ Blackmore am 17. November 1993 nach seinem letzten Auftritt in Helsinki auf eigenen Wunsch die Band, weil er mit Gillans gesanglicher Leistung nicht zufrieden war.
[âIn the midst of the tour, [4] makes it known that heâs not pleased with the performance of Gillan thus farâ (http://www.blackmoresnight.com/ritchie_bio.html)] Roger Glover:
- â[5] wir sollten noch in Japan spielen, aber Ritchie wollte das plötzlich nicht. Wir haben dann versucht mit ihm zu reden, ich rief ihn an und sagte: âBitte - bitte spiele diese Gigs mit uns.â Er antwortete nur: âNo!â Sonst nichts. Er lieĂ nicht mit sich redenâ
[Roger Glover in einem Interview des Magazins Gitarre & Bass von 1994, entnommen aus Roger Glovers offizieller Webseite http://www.rogerglover.com]
Blackmores Abneigung gegen Gillan ist auf der zur Tournee veröffentlichten DVD "Come Hell Or High Water" deutlich sichtbar. So unterbricht Blackmore gleich im ersten Song ein Solo um Gillan mit einem Becher mit Wasser zu bewerfen. Auch ist er nur noch wenig auf der BĂŒhne prĂ€sent.
Da die Band eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Veranstalter vermeiden wollte, begab sie sich auf die Suche nach einem kurzfristigem Ersatz. Nach nur drei Tagen Probe half Joe Satriani als Gitarrist fĂŒr die Tournee aus und sprang auch noch auf einer weiteren Tour durch Europa in der ersten JahreshĂ€lfte 1994 ein.
[http://www.purple.de/dirk/purple/] Er wurde gebeten, Blackmore dauerhaft zu ersetzen, konnte wegen seines Plattenvertrages aber nicht bei der Band bleiben.
[http://www.deep-purple.net/tree/joe-satriani.htm]
Morses Einstieg
thumb|Roger Glover und Steve MorseObwohl es sich als schwieriges Unterfangen erwies, die Fanbasis von einer neuen Deep-Purple-Besetzung ohne Ritchie Blackmore zu ĂŒberzeugen, fand man schlieĂlich mit dem Gitarrenvirtuosen Steve Morse (vorher unter anderem bei den Dixie Dregs und Kansas) einen akzeptablen Ersatz. Morses neue Interpretationen des existierenden Blackmore-Materials schufen einen eigenstĂ€ndigen Sound und lösten damit gemischte GefĂŒhle aus. Mit seinem Einstieg fanden seither zahlreiche, aufgrund von Blackmores Weigerung nie oder nur in seltenen AusnahmefĂ€llen live gespielte, weniger bekannte Songs aus den 1970ern Einzug ins Live-Set. Diese sind etwa auf den Alben
Live at the Olympia '96 und
Live at Montreux zu hören. In dieser Besetzung spielten Deep Purple 1996 das etwas ruhiger klingende, zum Teil musikalisch neue Wege beschreitende Album
Purpendicular ein, ĂŒber das die Zeitschrift
Audio urteilte:
âDen britischen Hardrock-Haudegen ist ein feines, ĂŒber weite Strecken erstaunlich melodiöses Alterswerk gelungen. Purpendicular öffnet nach eher einfallslosen Schema-F-Alben endlich neue Horizonte.â. 1998 folgte in gleicher Besetzung das wiederum hĂ€rtere
Abandon.
Deep Purple nach 2000
2001 erkrankte Jon Lord wĂ€hrend einer Tournee, so dass die Band kurzzeitig Don Airey fĂŒr ihn engagierte, der schon mit Ozzy Osbourne, Jethro Tull, Gary Moore und Rainbow gespielt hatte. Im MĂ€rz des folgenden Jahres beschloss Lord seinen Ausstieg bei Deep Purple, um sich einer Solokarriere widmen zu können. Nach den positiven Erfahrungen auf der vorangegangenen Tour verpflichtete man Airey als hauptamtlichen Keyboarder.
In diesem Line-up wurde 2003 das Album
Bananas veröffentlicht. Die Aufnahme von Airey wurde von vielen Seiten als Bereicherung aufgefasst, man nahm den âfrischen Windâ, den er in die Band und in das Songwriting gebracht habe, sehr wohlwollend auf. Es bietet mit Titeln wie dem an Dire Straits erinnernden
Walk On, oder dem lateinamerikanisch angehauchten
Doing it Tonight nicht nur den gewohnten âPurple-Soundâ. Die Hi-Fi-Zeitschrift
Stereoplay rezensierte es als
âein herzerfrischend und unkompliziertes, schlackenfreies Rock-Album mit starken Riffs und einem Gesang, der immer noch seinesgleichen in der Szene sucht.âDeep Purple trat im Rahmen der weltweiten Live-8-Benefizkonzerte am 2. Juli 2005 in Barrie auf. Im Oktober 2005 erschien das Studio-Album
Rapture of the Deep. Es folgte eine Welttournee Anfang 2006 (in Deutschland zusammen mit Alice Cooper). Ebenfalls Anfang 2006 erschien die 4-CD-Box
Live Across Europe 1993, die zwei komplette Konzerte (Stuttgart und Birmingham, England) der letzten Deep-Purple-Tour in der
Mk-II-Besetzung enthĂ€lt. Im Jahr 2008 jĂ€hrte sich die GrĂŒndung der Band zum vierzigsten Mal.
MitgliederĂŒbersicht
Die von zahlreichen Wechseln geprÀgte Bandgeschichte von Deep Purple ist nachfolgend anhand der Besetzungen dargestellt.
thumb|center|600px|Das Personalkarussell von Deep Purple
Bei der Tabelle sowie der nachfolgenden Diskografie ist zu beachten, dass bei der ZĂ€hlweise zum Teil Uneinigkeit herrscht. Das Gastspiel Joe Satrianis, der nur fĂŒr zwei Live-Touren zur VerfĂŒgung stand und sich an keinen Studioaufnahmen beteiligte, wird von einigen Quellen als vollwertige Besetzung Mk VI angesehen. FĂ€lschlicherweise werden die Reunions der Mk-II-Besetzung manchmal als Mk V und VII bezeichnet, so dass hier ein Verwechslungspotenzial besteht.
Musikalischer Stil
Die Musik von Deep Purple ist vor allem durch den E-Gitarren-Sound und die Hammond-Orgel geprÀgt.
Bedingt durch die klassische Ausbildung Jon Lords liegen die musikalischen Wurzeln der Band nicht nur im Blues, sondern auch in der klassischen Musik. Dabei ist zu beachten, dass der Bezug auf klassische Musik in den spĂ€teren 60er und frĂŒhen 70er Jahren durch Bands des Progressive Rock und Symphonic Rock wie Emerson, Lake and Palmer, Ekseption, Yes oder Procol Harum auch eine âModeerscheinungâ darstellte. Vor allem bei den Aufnahmen und Auftritten der GrĂŒndungsformation kam es mehrfach zur Zusammenarbeit mit Orchestern. Zudem ist aus zahlreichen Orgelsoli herauszuhören, dass Lord auch Wert auf klassische Zitate und Kadenzen legt. Ein Beispiel hierfĂŒr ist das Orgelsolo aus Highway Star (), welches die Akkordfolge
Am â E â Gm â D â F in gebrochenen DreiklĂ€ngen prĂ€sentiert. Der typische Klang der Hammond-Orgel ist einer der wesentlichen Bestandteile der StĂŒcke. Dabei greift Lord, wie in seinem Solo auf
No No No () auch auf die Blues- und Jazzstilistik von Graham Bond und Hammondpionier Jimmy Smith zurĂŒck.
In ihren typischen Hardrock integrierte die Band aber immer wieder Elemente aus Blues (
Lazy,
Place in Line,
Mitzi Dupree,
Mistreated), Funk und Soul (
Sail Away,
Getting Tighter,
You Canât Do It Right), Folk- und Countrymusic (
Anyoneâs Daughter (),
The Aviator), Rock ânâ Roll (
Lay Down, Stay Down,
Hold On, oder
Lucille von Little Richard), und psychedelischer Musik (
Fools,
The Mule), und nahm auch Balladen wie
Soldier of Fortune,
Love Conquers All (),
When a Blind Man Cries auf. thumb|400px|Auf der Bluestonleiter basierende Figur aus
Lazy Der nach eigener Aussage von Hank Marvin, Duane Eddy, Django Reinhardt, und Scotty Moore beeinflusste
[Wer waren deine Vorbilder? Blackmore: âEs begann mit Tommy Steele, Hank. B. Marvin, Duane Eddy, Jim Sullivan, Tony Harvey, Django Reinhardt, Les Paul, Chet Atkins, Jummy Bryant, Judd Proeter, Scotty Moore, James BurtonâŠâ auf www.ritchieblackmore.de] Blackmore spielte als Begleitung zum GroĂteil Powerchords, auf deren Basis er zahlreiche eingĂ€ngige Riffs, wie etwa das bekannte Intro zu
Smoke on the Water, schuf.
[Steven Rosen im Guitar Player 1978: âHis foot-stomping power chords in Deep Purple songs like âSmoke on the Waterâ, âRat Bat Blueâ and âSpace Truckinâ set a huge precedent for the role of rhythm guitarists in less articulate forms of heavy rockânot to mention that âSmokeâ was the first tune a generation of kids learned to playâ.] Seine Soli wurden auf Konzerten stets improvisiert, wobei er hĂ€ufig auf die pentatonische Tonleiter, aber auch, wie in den Titeln
Lazy,
Mitzi Dupree, oder
When a Blind Man Cries auf die Bluestonleiter zurĂŒckgriff. Jedoch verwandte er bereits damals, lange vor seinem Wechsel zur Mittelalterrockband Blackmoreâs Night, Elemente und Anregungen aus der klassischen Musik. Zwei seiner Soli platzierten sich in der Liste der âTop 100 Greatest Guitar Solosâ des
Guitar World Magazines. Dass er sich auch in anderen Stilarten wie Country und Rock ânâ Roll sicher bewegen kann, zeigen Titel wie
Anyoneâs Daughter,
Hold On sowie seine Aufnahmen mit dem Country-Gitarristen Albert Lee unter dem Namen
The Green Bullfrog. Auf einigen Titeln, wie
Mad Dog, spielt Blackmore auch Slide-Gitarre. Er macht in Nachfolge von Jimi Hendrix
[ Blackmore: âEverybody steals. Itâs healthy to steal. The thing is to disguise who you're stealing from. I used to steal a lot from Jimi Hendrix.â Auf www.ritchieblackmore.de] und Rory Gallagher intensiven Gebrauch vom Tremolo-Hebel. WĂ€hrend seiner Zeit bei Deep Purple spielte er beinahe ausschlieĂlich Fender Stratocaster in Kombination mit einem MarshallverstĂ€rker.thumb|300px|Intro von
Black Night (mögliche Griffe in
()]
Der technisch versierte, von Buddy Rich, Carmine Appice und dem Hollies-Schlagzeuger Bobby Elliot beeinflusste Paice lĂ€sst in seinen geradlinigen und eindeutig am Rock orientierten Stil auch EinflĂŒsse aus dem Swing einflieĂen. Obwohl er mit Glover den Songs oft eine âtrockeneâ und auf das Wesentliche reduzierte Rhythmusbasis, wie in
Nobody's Home () unterlegt
[Paice: âNow I just keep a nice beat and try to fill in the breaks with incredibly tasty bits like the west coast men. Itâs far betterâ auf www.thehighwaystar.com], versteht er es in anderen Titeln, komplexe und schnelle Fills und Breaks (wie z. B. auf
Burn), oder raffinierte Hi-Hat-Figuren (wie auf
Woman from Tokyo) einzubauen, wobei sein Spiel aber immer songdienlich bleibt. Auf Titeln wie
Hungry Daze () oder den Liveversionen von
The Mule und
You Fool No One prÀsentiert er lÀngere, technisch fundierte Solopassagen.
Roger Glover, langjÀhriger Bassist der Band, fÀllt durch eine eher einfache, aber variantenreiche Rhythmusarbeit (
Smoke on the Water) auf. Obwohl er nach eigenen Angaben keine Tabulaturen lesen kann,
[http://www.rogerglover.com/writings/questions.php?group=2006-02-26 âI donât know how to read or write tabâ] improvisiert und variiert er auch bei Auftritten seine BasslĂ€ufe. Als musikalische Vorbilder nennt er unter anderem den Jazzmusiker Jaco Pastorius, Jack Bruce und Paul McCartney.
[http://www.rogerglover.com/writings/questions.php?group=2002-12-08] Nachdem er jahrelang viele verschiedene BÀsse und VerstÀrker spielte, tritt er seit Anfang der 1990er mit Instrumenten der eher unbekannten Marke
Vigier Excess und Saiten von Picato oder Ernie Ball auf.
Gillans Stimme sticht durch ihren groĂen Tonumfang (inkl. Schreien bzw. Kreischen) bei einigen Songs wie
Child in Time deutlich hervor. Auf Titeln wie
Lazy () und
Black and White spielt er zusÀtzlich Mundharmonika.
Steve Morse prĂ€gt die aktuellen Songs wesentlich. Da seine Wurzeln im Jazz/Fusion- und Country-Bereich liegen, haben sich diese EinflĂŒsse auch auf die Musik von Deep Purple ĂŒbertragen. Neben geradlinigem Hard Rock, dem die Band treu geblieben ist, schafft er durch seine Spielweise kompliziertere, teils auch mit ungeradtaktigen
(z. B. Picture of Innocence
, Bananas
) oder mit Folk- und Country-Elementen
(Hey Cisco
, The Aviator
, A Touch Away
) versetzte Arrangements. Er verwendet darĂŒber hinaus bislang bei Deep Purple nicht verwandte Spieltechniken wie das
Chicken Pickin (
Ted The Mechanic) oder
Harp Harmonics (
Sometimes I Feel Like Screaming,
Seventh Heaven). (Siehe dazu den Artikel Steve Morse) thumb|450px|Folkgitarre auf Deep Purples Titel
The Aviator Im Gegensatz zu Blackmore, der sich bei der Begleitung hÀufig auf Powerchords beschrÀnkte, spielt Morse besonders zu den Strophen abwechslungsreichere Figuren. Der spannungsreiche Gegensatz zur Orgel bleibt dabei, z. B. bei Liveversionen von
Speed King, bestehen. Morse widersteht der Versuchung und anfĂ€nglichen Fan-Erwartung des sklavischen Nachspielens âklassischerâ Blackmore-Solos, und interpretiert die Soloparts der alten Band-Titel gĂ€nzlich neu. Das hindert ihn jedoch nicht daran, auch prĂ€gnante Teile, wie etwa das Solo aus
Highway Star, zu ĂŒbernehmen.
Texte
WĂ€hrend Rod Evansâ Texte ganz dem psychedelischen Themenkreis mit der Beschwörung vergangener Zeiten (
âPast castles white and fair past dreaming chessmen on their boards with a foolâs mate as a snare, âŠâ aus
Listen, Learn, Read on [ Text von Listen, Learn, Read on auf www.deep-purple.net]), der
âSchilderung von Natur und Farbe als romantischem Ausdruck des eigenen Seelenlebensâ [JĂŒrgen Roth, Michael Sailer: Deep Purple. Die Geschichte einer Band. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-251-9, Seite 191] (
April, Blind), und einer
âspĂ€tjugendlichen Schwermutâ [JĂŒrgen Roth, Michael Sailer: Deep Purple. Die Geschichte einer Band. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-251-9, Seite 192] verhaftet sind, behandeln Gillans Texte einen breiteren Themenbereich. Er Ă€uĂerte sich ĂŒber das Spektrum der Inhalte folgendermaĂen:
- âIch schreibe eigentlich ĂŒber alles, [6] ĂŒber banale Dinge bis hin zur Politik, von Religion bis Revolution, von Bahnreisen bis hin zu Tauchabenteuern, von etwas, was ich im Fernsehen gesehen habe, bis hin zu Leuten, die ich auf der StraĂe treffe. Ăber meine EindrĂŒcke, meine GefĂŒhle.â
[Zitiert nach: JĂŒrgen Roth, Michael Sailer: Deep Purple. Die Geschichte einer Band. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-251-9, Seite 192]
In der Hardrock-Musik typische Themen zu
Sex, Drugs and Rock ânâ Roll und Machismo fehlen bei Deep Purple ebenfalls nicht und tauchen in vielen Songs auf, etwa in
Strange Kind of Woman,
Highway Star oder
Hard Lovinâ Man[âBreak my back with hard lovinâ. Take my hand and keep movinâ. Donât slow down we're nearly there now. Oh oh oh oh, can you stand the pain? Iâm a hard lovinâ man.â (aus Hard Lovinâ Man) www.deep-purple.net], oder auch in Lay Down, Stay Down
, I Need Love
, oder High Ball Shooter
um das Thema Sex:
- âLet me know you feel it. You know I really need it. Keep on pushinâ for more. Lay down, stay downâ (aus Lay down, Stay Down)
[ www.deep-purple.net]
Daneben spricht die Band aber auch kritische Themen an:Politische und gesellschaftliche Kritik ĂŒben Titel wie
Strange Ways[âHave you seen the headlines, Princess engaged. 3 million out of work. But thatâs on the 2nd page.â (aus Strange Ways) Text von Strange Ways auf www.deep-purple.net] und der Antikriegssong
Under the Gun:
- âStupid bastards and religious freaks. So safe in their castle keeps. They turn away as a mother weeps. Under the gun.â
[ Text von Under the Gun auf www.deep-purple.net]
No No No, ruft zum Kampf gegen Machtmissbrauch und Zerstörung der Erde auf
[ Text von No No No auf www.deep-purple.net] und
Mary Long [ Text von Mary Long auf www.deep-purple.net] thematisiert die britische Moralistin Mary Whitehouse,
[ Gillan zum Text von Mary Long auf www.gillan.com] wÀhrend
Pictures of Innocence Kritik an political correctness und Normierungswahn ĂŒbt.
[Gillan zu Pictures of Innocence: âPolitical Correctness will have the effect of enlarging sensitivities to such a point that nothing can be said about anything [7] I only insult my friends, my friend, the rest can go to hell! [8] whilst the Regulators of the EU are successfully leading us to a state of dehumanisation.â auf www.gillan.com]Ein wichtiges Thema ist dabei die Selbstreflexion und das EingestĂ€ndnis eigener UnzulĂ€nglichkeiten, wie im zweiten Satz des
Concerto for Group and Orchestra, im Titel
Pictures of Home, oder auf
Perfect Strangers [Gillan: âThe song refers to uncertainties about ourselves and about the reaction from the public, about our music and our integrity. A recognition that the days of gay abandon had passed and that a new phase was being entered.â auf www.gillan.com]:
- âWhat shall I do, when they stand smiling at me. Look at the floor, and be oh so cool, Oh so cool.â (aus Concerto for Group and Orchestra)
[ Text des zweiten Satzes auf www.deep-purple.net ] âHere in this prison of my own making. Year after day I have grown. Into a hero, but thereâs no worship. Where have they hidden my throne?â (aus Pictures of Home) [ Text von Pictures of Home auf www.deep-purple.net]
Das wird hĂ€ufig mit einer kritischen Reflexion des Rock-ânâ-Roll-Lebensstils und -Business, wie in
Super Trouper,
No One Came, oder
Wasted Sunsets verbunden:
- âI felt the truth, I felt the pain in every song. [9] Iâm just a shadow in a rock and roll sky.â (aus Super Trouper)
[ Text von Super Trouper auf www.deep-purple.net ]âI believe that I must tell the truth, and say things as they really are. But if I told the truth and nothing but the truth. Could I ever be a star? Nobody knows who's real and who's fakinâ. Everyoneâs shouting out loud. Itâs only the glitter and shine that gets thru.â (aus No One Came) [ Text von No One Came auf www.deep-purple.net]
Bei vielen Texten verwendet Gillan offenbar eine frei assoziative Herangehensweise, welche zu bilderreichen, manchmal scheinbar sinnentleert wirkenden Zeilen fĂŒhrt. Ein Beispiel hierfĂŒr ist der Titel
Gypsyâs Kiss, bei welchem Sprachklang und Reim das PrimĂ€re zu sein scheinen:
- âJohn San, what you can. La la Janette dance in sand. What's the mystery, my son? Gypsy Dan, Caravan. Won Tun Wan with your Chinese fan. It's part of history my son.â (aus Gypsyâs Kiss)
[ Text von Gypsy's Kiss auf www.deep-purple.net]
- âGotta black breast Chinese eyes. Got an English brain thatâs gonna make me wise. Got a long story that I wanna tell.â (aus Bloodsucker)
[ Text von Bloodsucker auf www.deep-purple.net]
Die Texte der âCoverdale-Ăraâ kreisen, wie in
Burn oder
Stormbringer (Titel eines Romans des Fantasy-Autors Michael Moorcock), um die spÀter im Metal beliebte Fantasy-beeinflusste Thematik:
- âThunder and lightning. Heading your way. Ride the rainbow. Crack the sky. Stormbringer coming. Time to dieâ (aus Stormbringer)
[ Text von Stormbringer auf www.deep-purple.net],
Bedeutung fĂŒr die Rockmusik
Deep Purple prĂ€gte entscheidend das Musik- und LebensgefĂŒhl der frĂŒhen 70er Jahre. So schrieb die Zeitschrift
konkret im Jahr 1980:
- âDie Beatles, Stones, Cream, Deep Purple, Roxy Music haben ganz selbstverstĂ€ndlich die deutschen Wohnzimmer infiltriert.â
[Zitiert nach: JĂŒrgen Roth, Michael Sailer: Deep Purple. Die Geschichte einer Band. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-251-9, Seite 12]
und die Musikzeitschrift
Eclipsed schrieb in Bezug auf die Einleitung des Titels
Speed King:
- âBlackmore zersplitterte in nur fĂŒnfzig Sekunden die gĂ€ngigen Konventionen der Beat-Ăra, und machte die sechziger Jahre der Popmusik zur Historie.â
[Zitiert nach: JĂŒrgen Roth, Michael Sailer: Deep Purple. Die Geschichte einer Band. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-251-9, Seite 13]
Die Band zĂ€hlt neben Black Sabbath und Led Zeppelin zu den ersten und bedeutendsten Bands des Hard Rock und gilt als richtungsweisend fĂŒr die spĂ€tere Entwicklung des Metal.
- âPursuing a heavier rock direction, Purple quickly became one of the most successful and influential bands of early â70s; joined Black Sabbath and Led Zeppelin in spreading gospel of multi-decibel, piledriver British rock around the world.â
[The New Illustrated Rock Handbook, Salamander Books Ltd., London, 1986, ISBN 0-86101-248-8, Seite 57 und 58]
Diese Tatsache macht eine Ăbersicht ĂŒber die personellen Beziehungen der Deep-Purple-Musiker und ihrer Nachfolgebands mit anderen namhaften Rock-Bands besonders deutlich.
[ Deep Purple - Die Wurzeln und Folgezweige]In den 1970er Jahren wurde noch nicht zwischen Hard Rock und dem erst Ende des Jahrzehnts aufkommenden Heavy Metal unterschieden, so dass die Band manchmal auch fĂ€lschlicherweise dem Heavy Metal zugeordnet wird. Aus heutiger Sicht kann sie aber klar als Hard-Rock-Band bzw. Rockband mit BlueseinflĂŒssen kategorisiert werden.
Highway Star,
Hard Lovinâ Man, der schnellere Teil aus
Child in Time, sowie
Burn werden von manchen sogar als frĂŒhe Speed-Metal-Songs eingestuft. Viele erfolgreiche Bands und Musiker der 1980er und 1990er Jahre, wie Iron Maiden, Europe, Yngwie Malmsteen, Ronnie James Dio, Metallica
[Frage: âHattest du ein Idol zu dieser Zeit?â Lars Ulrich: âAls Musiker war es sicherlich Ritchie Blackmore. Meine sogenannten Idole haben immer sehr schnell gewechselt, aber Ritchie hat mich besonders beeindruckt.â auf http://metallicamp.de], bekunden den wesentlichen Einfluss der Musik der Band fĂŒr ihre eigene musikalische Entwicklung entweder explizit in Interviews oder indirekt in ihrer Musik. Besonders der Stil Blackmores beeinflusste viele Gitarristen, wie Yngwie Malmsteen, Steve Vai, John Norum oder Joe Satriani, so dass seine Ăsthetik und auch Technik von vielen Musikern aufgegriffen wurde und wird. thumb|375px|Gitarrenriff von
Hard Lovinâ Man Viele Songs wurden von anderen Bands gecovert. Schon 1973 spielte Thin Lizzy unter dem Namen
Funky Junction ein Tributealbum mit den bekanntesten Songs ein. Die Progressive-Metal-Band Dream Theater fĂŒhrte 2006 sogar bei zwei Konzerten das Purple-Livealbum
Made in Japan vollstÀndig auf. Auch der Gitarrist Yngwie Malmsteen veröffentlichte bereits einige neue Versionen der Songs. Unter Beteiligung von Musikern wie Vinnie Moore, T. M. Stevens, und Joe Lynn Turner entstand ein Album mit Reggae- und Funkversionen bekannter Deep-Purple-Titel.
[ Rezension auf www.crossover-agm.de] Weitere Coverversionen spielten unter anderem Bruce Dickinson (Iron Maiden), die Puhdys, Van Halen, Sonata Arctica, Dio, J.B.O., Mr. Ed Jumps The Gun, Metalium, Iron Maiden, Black Sabbath, Soulfly, Six Feet Under und Overkill.
[http://www.coverinfo.de]
Diskografie
Studioalben
RegulÀre Live-Alben
- 1969 âą Mk. II âą Concerto For Group And Orchestra (D: 22, UK: 26, USA: 149)
- 1972 âą Mk. II âą Made in Japan (D: 1, USA: 6, UK: 16)
- 1974 âą Mk. III âą Live In London
- 1975 âą Mk. III âą Made In Europe
- 1975 âą Mk. IV âą Last Concert In Japan
- 1988 âą Mk. II âą Nobodyâs Perfect
- 1994 âą Mk. II âą Come Hell Or High Water
- 1996 âą Mk. VII âą Live At The Olympia â96
- 1999 âą Mk. VII âą Live At The Royal Albert Hall
- 1999 âą Mk. VII âą Total Abandon: Live In Australia
- 2000 âą Mk. VII âą Live At The Rotterdam Ahoy
- 2001 âą Mk. VII âą The Soundboard Series
- 2007 âą Mk. VIII âą They All Came Down To Montreux: Live At Montreux 2006
Weitere Veröffentlichungen der Band finden sich im Artikel Deep Purple/Diskografie.
Einzelnachweise
Literatur
- Didi Zill, Michael Rudolf: Deep Purple. Fotografien. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2002, ISBN 3-89602-406-X
- JĂŒrgen Roth, Michael Sailer: Deep Purple. Die Geschichte einer Band. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-251-9
- Chris Charlesworth: Deep Purple - The illustrated biography. Omnibus Press, London/New York 1983, ISBN 0-7119-0174-0
- Michael Heatley: The Complete Deep Purple. Reynolds & Hearn Ltd, 2005, ISBN 1-903111-99-4
- Dave Thompson: Smoke on the Water: The Deep Purple Story. ECW Press, Kanada, 2004, ISBN 1-55022-618-5
- Ian Gillan, David Cohen: The Autobiography of Deep Purple's Lead Singer. Blake Publishing, 1998, ISBN 1-85782-320-6
- Frank Laufenberg: Deep Purple (Facts und Platten). Moewig TB, 1991, ISBN 3-8118-3451-7
- Ted Allbeury: Deep Purple. Mysterious Press, 1990, ISBN 0-89296-401-4
- Purple Rainbows: A Definitive Rock History Featuring the Best of Deep Purple, Rainbow, Whitesnake, Graham Bonnett, Dio - Off the Record. Stave House, 1994, ISBN 1-85909-148-2
Noten
- Greatest Hits. Gitarre, Tabulatur (Guitar Signature Licks). Hal Leonhard (Buch und CD), 2002, ISBN 0-634-02942-8
- Deep Purple - Greatest Hits. Hal Leonard Corporation, 2002, ISBN 0-634-04908-9
- The Best of Deep Purple. Hal Leonard Corporation, 1998, ISBN 0-7935-9192-9
- Perfect Strangers (Transcription by Jesse Gress). Music Sales, 1988, ISBN 0-8256-1194-6
- Deep Purple - House of Blue Light. Music Sales Ltd, 1996, ISBN 0-7119-1236-X
Weblinks
Hard-Rock-BandEnglische Band
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